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„Einen wunderschönen guten Morgen, Mister Van Valen!“ Miss Bloomfield nickte dem jungen Mann, der soeben das Gebäude betreten hatte, freundlich zu.

Der so Angesprochene schaute die ältere Dame am Empfang einen Moment lang verwirrt an und erwiderte dann den Gruß mit einem kurzen, entschuldigenden Lächeln. „Oh. Ja. Es ist in der Tat ein wunderschöner Morgen, Miss Bloomfield.“ Eric nahm den Zylinder vom Kopf und reichte ihn samt Mantel an den hageren Portier weiter, der so unauffällig und leise neben ihm aufgetaucht war, dass man ihn beinahe für einen Geist halten konnte. Eben so leise und unauffällig verschwand der Mann wieder in irgendwelchen finsteren Ecken des weitläufigen Ministerialgebäudes. Und wie jedes Mal verursachte sein Erscheinen in Eric das undefinierbare Gefühl, genau gemessen, gewogen und gerade noch einmal für gut befunden worden zu sein. Ein kalter Schauer kroch ihm über den Rücken.

Das genaue Gegenteil war Miss Bloomfield, die gute Seele der Abteilung für Innere Angelegenheiten. Eine immer gut gelaunte, kräftig gebaute Mittfünfzigerin deren Lächeln und die schreiend bunt geblümten Kleider von zweifelhafter Mode die einzigen Lichtpunkte in den ansonsten kalten und bedrückend tristen Gängen der Behörde waren. Eric griff nach der Zeitung und dem Stapel Briefe und Akten, die sie ihm hinreichte und lenkte die Schritte in Richtung seiner Büroetage.

„Ach, Mister Van Valen…“, hielt ihn Miss Bloomfield zurück, „Sie haben um elf Uhr einen Termin: Ministerialrat Granville erwartet Sie. In seinem Büro.“
„Ministerialrat Granville?“ Eric runzelte verwundert die Stirn. Der Privatsekretär von V.C. Bullcroft höchstpersönlich. Es war äußerst ungewöhnlich, dass ein Mann von seiner Position einen einfachen Agenten empfing. Es sei denn… Der junge Mann schüttelte den Kopf. Nein, das war nicht möglich. Was immer es war, er würde es schon früh genug erfahren.
„Achten Sie darauf, pünktlich zu sein.“ ermahnte ihn Miss Bloomfield mit sorgenvollem Blick, ehe sie sich dem nächsten Besucher der Behörde zuwandte.

In Gedanken versunken betrat Eric das Büro, das er mit einem gewissen Agenten Smith teilen musste. Obwohl es eigentlich keinen Sinn hatte, geboten es ihm die Manieren eines Gentleman, den kleinen Mann zu grüßen, der ohne auch nur einen einzigen Augenblick aufzuschauen weiter konzentriert an einem Bleistift herum spitzte.

Eric setzte sich in seinen Lehnstuhl und machte sich an die Durchsicht der Unterlagen: Briefe, Akten, Dokumente. Der selbe nutzlose Behördenkram wie er ihn jeden Tag auf den Tisch bekam. Doch heute gelang es ihm einfach nicht, sich zu konzentrieren. Was immer Granville von ihm wollte, es musste wichtig sein. Sehr wichtig…
Beiläufig griff er nach der Zeitung und las die Schlagzeile:

’GRAUSAMER MORD VOR DER BAKER’S HALL!’
stand dort in schreienden Lettern.
’GILDE FORDERT MEHR POLIZEIPRÄSENZ’.

Die verdammte Gilde. Die forderte ja auch mehr Polizeipräsenz, wenn es regnete. Kopfschüttelnd ließ Eric das Blatt in den Papierkorb fallen und wandte sich erneut seiner Arbeit zu. Dabei bemerkte er nicht, dass unter der Zeitung auch eine handschriftliche Notiz mit in den Müll wanderte. ’Vertraulich’ stand unter anderem darauf geschrieben. Und zwei Namen: ’Ferret’ und ’Grand’.

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Dieser Eintrag wurde geschrieben am Freitag, April 3rd, 2009 um 00:01 in der Kategorie Kapitel 1. Reaktionen zu diesem Eintrag können Sie mit dem RSS 2.0 Feed verfolgen. Die Kommentare für diese Seite sind geschlossen.

3 Kommentare bisher

Stephan
 1 

Im Bereich Personal-Akten können Sie nun die Personal-Akte von Eric Van Valen einsehen.

April 3rd, 2009 at 07:52
 2 

Komma: “Akten, die sie ihm hinreichte, und”

Stil: “und lenkte die Schritte”. DIE Schritte, das ist mir zu unpersönlich. “seine Schritte” führt dann zu einer Dopplung mit “seiner Etage”. Kann man nicht einfach sagen, er ging? :-)

“Es sei denn… Der junge Mann schüttelte den Kopf.” Ein Agent, der seinen inneren Monolog mit so einem deutlichen äußeren Anzeichen begleitet? Besser finde ich: “Der junge Mann hielt inne, entspannte sich dann aber.”

“Was immer es war” ist mir dagegen wieder zu kurz. “Was immer der Grund für diese Einbestellung… diese Vorladung… war”.

Komma 2: “Behördenkram, wie er ihn”

April 6th, 2009 at 16:59
Tom
 3 

Hm. Also ich schüttel gelegentlich auch bei innerem Monolog den Kopf, insofern kann ich das Bild nachvollziehen. Aber das mag nur eine schlechte Angewohnheit sein. *g*

April 6th, 2009 at 17:33

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