Order viagra buy viagra online no prescription canada

Archiv für März 25th, 2009

25
Mär

Kapitel 1-02

   Posted by: Carsten    in Kapitel 1

Tatsächlich konnte Pater Siberius die wenigen Sekunden, bis Gus, der Wirt, von seinem damaligen „Abenteuer“ erzählte, an einer Hand herunter zählen. Fünf, vier, drei, zwei und da fing er schon an. „Hey, Sib, hab ich dir schon mal erzählt, wie ich an diesen hübschen Schädel gekommen bin?“ Ungefähr eintausend Mal, dachte Siberius entnervt, aber er sagt es nicht. Er wollte Gus nicht den Spaß verderben. Am einfachsten war es, sich die Zeit, bis der Wirt zum Ende kam, einfach auszublenden, den Kopf abzuschalten, nicht zu denken. Irgendwie auch erholsam, wenn er es recht bedachte. Wann kam er schon dazu, einfach einmal alles zu verdrängen. Zu vergessen. Besonders das damals mit Emilie, seiner Frau …

Unwillkürlich glitt sein Blick zu dem hässlich entstellten Rattenschädel, dem man, auch wenn der restliche Körper fehlte, seine ungeheure Masse ansah. Das Vieh musste einmal die Größe eines Bluthundes gehabt haben. Dazu eitrige und verwucherte Beulen und Ekzeme, wie die meisten ihrer verfluchten Art. Wo immer diese Drecksmonster auch herkamen oder besser aus welchem Pfuhl sie entstiegen, eins hatten sie alle gemeinsam: Man begegnete ihnen besser nicht unbewaffnet. Niemand wusste, was die Dämonenratten einst in die Kanalisation – und nun auch in die dunkleren Ecken der heruntergekommenen Viertel – gelockt hatte, nicht einmal das Ministerium, welches deren Existenz lange verleugnet hatte. Klar, in den Upper Quartern der Reichen gab sie es ja auch nicht. Die Ratten waren ein Problem der armen Leute.

„… und dann sprang mich die scheiß Ratte mit ihren glühenden Augen ohne Rücksicht auf Verluste an. Ich sag dir, groß wie ein kleines Pony und ebenso schwer. Dass ich unter diesem Fleischberg überhaupt herausgekommen bin, war ein absolutes Wunder. Ich war ja schließlich allein in diesem scheiß Keller. Ich habe es also gerade noch geschafft, meinen Dolch nach vorne zu bringen, bevor …“ Gus unterbrach sich selbst und Siberius war direkt wieder da. Es war wohl das erste Mal, dass der Wirt seine Geschichte nicht zu Ende brachte.

„Was fällt dir ein, du Arschloch? Sib, pass auf! Hinter dir!“

Pater Siberius wich instinktiv zur Seite aus. Eine halbvolle Flasche krachte dort auf die Theke, wo eigentlich eben noch seinen Kopf gewesen war, und zerbrach. Ein Splitter- und Branntweinregen prasselte auf ihn nieder und er konnte gerade noch seinen Arm schützend vor sein Gesicht bringen. Trotzdem hinterließ eine der vorbei zischenden Scherben eine glühende Spur auf seiner Wange.

„D … duu Sch … Scheißßßkerl“, nuschelte der Betrunkene von vorhin, der es irgendwie geschafft hatte, sich schwankend und taumelnd zurück auf die Füße zu bringen. „G´schubbst hast d .. duuu misch, dduu elen … elendiger Wischser .“

Er startete eine neue, taumelnde Attacke, diesmal mit der Faust. Jetzt, wo er die volle Aufmerksamkeit von Pater Siberius gewonnen hatte, ging sie natürlich meilenweit daneben.

Spielend wich der Pater vor dem unbeholfenen Schwinger aus und verpasste ihm seinerseits einen Hieb ans Kinn, um ihn wieder auf Abstand zu bekommen. Wie vom Blitz getroffen stürzte der Betrunkene um. Bevor er jedoch zu Boden ging, knallte er mit dem Kopf gegen das harte Thekenholz. Ein trockenes Knacken ertönte, als das Genick des Stürzenden brach und er anschließend mit einem seltsam verdrehten Hals auf dem Boden zu liegen kam. Niemand schien etwas mitbekommen zu haben. Oder sich wenigstens zu wundern. Betrunkene und Schlägereien gehörten nun mal in jede anständige Kneipe.

„Verdammt“, fluchte Pater Siberius. „Was für ein Vollidiot. Warum gibt der auch keine Ruhe?“

Gus war in der Zwischenzeit hinter der Theke hervorgekommen und beugte sich ebenfalls prüfend über den Gestürzten. Schließlich blickte den Pater ernst an.

„Mist, der ist hinüber“, flüsterte er.

„Und jetzt? Ich habe echt keine Lust, das der Polizei zu erklären.“

„Mach dir keine Sorgen, Sib“, beruhigte ihn Gus. „Ich kümmere mich darum. Cutter Pew ist genau der richtige Mann für diesen Job. Er wird ihn auf Nimmerwiedersehen wegschaffen. Du wirst sehen, niemand wird dich deswegen belangen. Vertrau ruhig dem alten Gus. Aber dafür schuldest du mir was.“

„Geht klar.“

Als beide aufstanden, sprach Gus so überdeutlich hörbar zu Siberius, dass es ihm vorkam, jeder müsse das schlechte Schauspiel des Wirts sofort durchschauen. Was wahrscheinlich auch alle taten, nur sagte keiner etwas dagegen.

„Immer diese Trunkenbolde. Ich bringe ihn besser nach hinten in die Kammer, da kann er seinen Rausch ausschlafen.“

Damit griff er dem Toten behände unter die Arme und schleifte ihn, weiter vor sich hin schimpfend, in den anliegenden Raum.

Was für ein verdammter Scheißtag. Siberius stürzte den Rest Branntwein aus seinem Glas herunter, warf ein paar Münzen auf die Theke und verließ die „Bucklige Ratte“. Er hatte genug für heute. Um den Toten tat es ihm nicht sonderlich leid. Davon gab es jeden Tag schließlich genug. Sogar welche, die deutlich schlimmer dran waren, als dieser Pechvogel an der Bar. Aber es würde Gerüchte geben und das konnte er wirklich nicht gebrauchen. Meist dauerte es nicht lange bis das Ministerium davon Wind bekam. Spätestens dann würde er wieder beim Boss vorbeitraben und eine Erklärung abgeben dürfen.

Echt beschissen, dieser Tag. Und das Schlimmste, Siberius war sich sicher, dass der morgige kein Deut besser werden würde.

Tags: , , ,