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Mit einem lautem Knarren öffnete sich die Eingangstür der Spelunke und das Geräusch sorgte dafür, dass sich umgehend alle Anwesenden zu ihm umdrehten. Manche sahen ihn erschrocken an, anderen fuhr die Hand reflexartig unter das Wams oder den Mantel, um nach einem Messer oder sogar Schlimmerem zu tasten. Erst als sie im diffusen Halbdunkel des Schankraums erkannten, wer gerade eingetreten war, entspannte sich die Stimmung.

Kaum eine Sekunde war verstrichen und die halbseidenen Gestalten, die sich hier und dort um einige niedrige Tisch gruppiert hatten, wandten sich wieder ihren eigenen Geschäften zu. Bei weitem nicht alle davon würde das Ministerium auch nur halbwegs als legal einstufen. Wenn er es sich so recht überlegte, wahrscheinlich nicht mal ein einziges. Trotzdem ging es ihm gepflegt am Allerwertesten vorbei.
Er war hier, um seinen Feierabend zu genießen. Allein und ohne Störung.

Pater Siberius Grand ließ die Tür hinter sich zu fallen und bahnte sich seinen Weg bis hin zu der gewaltigen Eichentheke, welche die linke Seite des Raumes dominierte. Über ihm, an der Decke, schwebte ein opulenter Kronleuchter, der mit unzähligen grünlich flackernden Plasmalichtern für schummrige Helligkeit sorgte.
Der Pater suchte sich ein freies Fleckchen direkt an der Bar und fand es zwischen einem Betrunkenen, dessen Kopf auf die Theke gesunken war, während er weiterhin sein Glas mit der Rechten umklammert hielt, und einer der leichtbekleideten Animierdamen. Mit einem aufreizenden Lächeln begrüßte ihn die Rothaarige.
„Da ist ja mein Süßer. Bereit für ein Abenteuer, Pater?“
„Heute nicht, Lilly. Ich hatte einen schweren Tag.“
„Wie immer, Sib, wie immer.“
Sie zwinkerte ihm versöhnlich zu.
Schwer ließ sich Pater Siberius auf einen Hocker plumpsen. Mit seinem breiten Kreuz, dass einem Preisboxer zum Neid gereicht hätte, touchierte er versehentlich den Betrunkenen zu seiner Rechten, der daraufhin geräuschvoll zu Boden plumpste. Allerdings machte dieser genauso wenig Anstalten, von alleine wieder aufzustehen, wie Pater Siberius ihm aufzuhelfen. An diesem Ort war sich jeder selbst der Nächste.

Stattdessen rief er nach dem Barkeeper.  Gus O`Brian, der am anderen Ende der Theke ein paar Gläser polierte, war zugleich der Besitzer dieser Spelunke. Eine Bezeichnung, die hier am Rande von Orums Lot, der berüchtigten Hafengegend der Stadt Steamtown, beinahe schon für ein gehobenes Etablissement stand.
„Hey, Gus. Einen Brandwein, wenn es keine Mühe macht.“
Der Angesprochene drehte sich zu Pater Siberius um, grinste und kam dann herüber, immer noch an einem Glas wienernd.
„Mühe? Doch nicht für einen alten Freund, Sib. Ich mache dir gleich einen Doppelten. Wirst ihn brauchen, wie es aussieht. Kommst direkt von der Schicht, he?“
Gus deutete auf den schwarzen Mantel und das ebenso schwarze Hemd, das am Kragen mit einer weißen Manschette der geistlichen Zunft versehen war.
Pater Siberius nickte. Eigentlich war er mit knapp über fünfzig Jahren viel zu alt, um immer noch den Handlanger zu spielen. Aber was tat man nicht alles, um über die Runden zu kommen.

Müde blickte er in den riesigen Spiegel hinter der Bar und bemerkte, dass er immer noch seinen Zylinder auf dem Kopf trug. Daran befestigt war ein Plasmaokkular, dass ihm bei seiner Arbeit half. Beinahe höhnisch funkelte es ihn an. Zumindest kam es ihm so vor. Er nahm den Zylinder mit einer fahrigen Bewegung herunter und drehte ihn so von sich weg, dass das Okkular in eine andere Richtung wies. Er hatte heute einfach keine Lust es anzuschauen.
Gus hatte derweil ein großes Glas mit dem georderten karamelfarbenen Drink vor ihm abgestellt und der Pater stürzte es mit einem Ruck herunter.
„Noch einen, Gus.“
„Kommt sofort, mein Alter.“
Als er sein zweites Glas in der Hand hielt, schaute sich Pater Siberius um, so wie er es immer tat, wenn er hier war. Und wie immer blieb sein Blick an dem riesigen, nicht minder hässlichen und ausgestopften Kopf einer Dämonenratte hängen, die Gus seit dem Tag der Eröffnung seines Etablissements an der Wand befestigt hatte. Und so wie jedes Mal würde Gus nicht zögern, ihm die Geschichte der Ratte, die für den blumigen Namen der Spelunke „Zur buckligen Ratte“ verantwortlich war, zu erzählen.

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Dieser Eintrag wurde geschrieben am Montag, März 23rd, 2009 um 00:01 in der Kategorie Kapitel 1. Reaktionen zu diesem Eintrag können Sie mit dem RSS 2.0 Feed verfolgen. Die Kommentare für diese Seite sind geschlossen.

10 Kommentare bisher

Nebel
 1 

Mir gefällts. Klar ist einiges verbesserungswürig, aber dadurch dass ihr dieses Projekt macht, werdet ihr bei jeder Folge besser. Im Moment finde ich das ganz noch etwas klischeelastig.
Einziger Satz der mich wirklich gestört hat:
“Stattdessen rief er nach dem Barkeeper, der zugleich der Besitzer dieser Spelunke am Rande von Orums Lot, der berüchtigten Hafengegend der Stadt Steamtown, war und am anderen Ende mit einem Tuch ein paar Gläser polierte.” Bitte löst diesen Monstersatz auf!

März 23rd, 2009 at 11:08
Mr. Grimble
 2 

Also, ich muss euch wirklich mal ein Lob für diese klasse Idee aussprechen. Prolog und Anfang des ersten Kapitels haben mir wirklich sehr gut gefallen, was wirklich Lust auf mehr macht. Bin gespannt, wohin die Reise letztendlich führen wird und welche Geheimnisse sich inmitten der nebligen Schattenhaftigkeit Steamtowns noch offenbaren werden. Ich bleibe dran …

März 23rd, 2009 at 11:38
Carsten
 3 

@ Nebel
Der Monstersatz wurde erfolgreich um die Ecke gebracht. Du hast recht, Nebel, der ging eigentlich gar nicht.
Vielen Dank für den konstruktiven Hinweis.

@ Mr. Grimble
Geheimnisse wird es noch zu Genüge geben. Jede Menge so zu sagen.
Vielen Dank für das dicke Lob.

März 23rd, 2009 at 20:50
Mr. Grimble
 4 

Noch ein kleiner Filmtipp von mir für alle Freunde der Steam-Fantasy: Ein australischer Kurzfilm “The Mysterious Explorations of Jasper Morello”
http://www.youtube.co/watch?v=vORsKyopHyM

Dürfte auch auch eine Inspirationsquelle für Steamtown sein, falls das meisterhafte Kleinod nicht unlängst ein Begriff ist.

Freue mich schon, wie es morgen weitergeht …

März 24th, 2009 at 11:16
Stephan
 5 

Sehr schön. Der Film war mir bislang noch nicht bekannt.
Besten Dank für den Hinweis, Mr. Grimble!

Eine Anfrage bei Professor Google förderte hierzu übrigens folgenden Link auf die hübsch gemachte Website zutage: http://www.jaspermorello.com

März 24th, 2009 at 12:09
Alex R.
 6 

Verbesserungsvorschläge

(1) Perspektive schärfen. Der erste Absatz ist völlig unklar. Wir sehen alles mal aus der einen, mal aus anderen Sicht. Selbstbeschreibungen daher kritisch überprüfen.

(2) Adverbien konsequent streichen.

(3) Handlung konsequenter durcherzählen. Was ich gelesen habe, kann ich schlecht zusammenfassen. Konkret: Was passiert, was sind die vorherrschenden Gefühle und Motivationen?

(4) Bezugsfehler aufspüren und eliminieren. Bitte selber suchen, es sind genügend drin.

Nehmt die harte Kritik bitte nicht krumm, das hilft euch erheblich mehr als ein Lob.

März 26th, 2009 at 17:02
Assassin
 7 

Nur zu meinem Verständnis: Was sind Bezugsfehler?

März 26th, 2009 at 17:47
Alex R.
 8 

Bezugsfehler:

Die halbseidenen Gestalten, die sich hier und dort um einige niedrige Tisch gruppiert hatten, wandten sich wieder ihren eigenen Geschäften zu. Bei weitem nicht alle davon würde das Ministerium auch nur halbwegs als legal einstufen.

Wen? Die Gestalten oder die Geschäfte?

Und so wie jedes Mal würde Gus nicht zögern, ihm die Geschichte der Ratte, die für den blumigen Namen der Spelunke „Zur buckligen Ratte“ verantwortlich war, zu erzählen.

Wer ist verantwortlich? Die Ratte oder die Geschichte?

März 26th, 2009 at 22:31
Stephan
 9 

Du hast recht, Alex. Die Formulierungen wirken ein wenig irritierend (zumindest ich bin beim ersten Lesen über letztere auch kurz gestolpert).

Aber wenn ich nochmal genauer drüber nachdenke, würde ich sagen, dass die Antwort auf beide Fragen wahrscheinlich lautet: Beide.
Und dann passt es wieder ;-)

März 27th, 2009 at 08:57
Carsten
 10 

Also bei Ersterem tät ich eigentlich klar vermuten, dass es die Geschäfte sind. Illegale Gestalten - da gibt es ja zu diesem Zeitpunkt nun gar keinen Hinweis zu. Aber lässt sich bestimmt deutlicher formulieren.

Bei Zweiterem betrifft es eindeutig beide: die Geschichte UND die Ratte.
;)

März 27th, 2009 at 22:36

Die Kommentare sind geschlossen.